Energiewende: Meine Stromrechnung ist um 60% gestiegen
Ein Eigenheimbesitzer aus Bayern rechnet vor: EEG-Umlage, Netzentgelte, Strompreisbremse und warum die Energiewende auf seinem Konto stattfindet.
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1550 Wörter
1.4.2026
Im März 2023 habe ich meine Jahresabrechnung vom Stromanbieter bekommen. 3.840 Euro. Für ein Einfamilienhaus in Bamberg, 140 Quadratmeter, vier Personen. Ich bin Heizungs- und Klimatechniker. Ich kenne mich aus. Und ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht.
Ein Jahr später, März 2024: 4.260 Euro. Und dann, die Abrechnung für 2025: 6.144 Euro. 60% mehr als zwei Jahre zuvor. Keine neuen Geräte. Keine Wärmepumpe. Kein E-Auto. Gleicher Verbrauch. Gleicher Haushalt.
Ich habe die Rechnung dreimal geprüft. Dann habe ich den Stromanbieter angerufen. Die freundliche Dame am Telefon sagte: "Das liegt an den gestiegenen Beschaffungskosten und den Netzentgelten." Beschaffungskosten. Netzentgelte. Wörter, die niemand versteht, aber jeder bezahlt.
Ich heiße Markus, bin 42, verheiratet, zwei Kinder, und ich bin die Energiewende leid. Nicht die Idee. Die Ausführung. Die Preise. Die Gefühl, alsPrivatkunde der Dumme zu sein.
Anwendung
Die echte Zusammensetzung des Strompreises 2025
Ich habe meine Abrechnung auseinandergenommen. Aufgeschlüsselt. Jeder Posten.
Arbeitspreis (der eigentliche Strom): 14,2 Cent pro kWh. Das ist der Preis für die Energieerzeugung. Kohle, Gas, Wind, Solar. Dieser Teil ist seit 2021 um 12% gestiegen. Macht bei meinem Verbrauch von 4.800 kWh pro Jahr einen Aufschlag von 72 Euro.
Netzentgelte: 9,8 Cent pro kWh. Das ist der Preis für die Leitungen, die den Strom zu mir bringen. Die Netzbetreiber investieren in den Ausbau, weil die Energiewende neue Leitungen braucht. Das bezahle ich. 470 Euro im Jahr, 2021 waren es 310 Euro. Plus 52%.
EEG-Umlage: Offiziell abgeschafft zum 1. Juli 2022. Aber die Kosten für die Förderung von erneuerbaren Energien sind nicht verschwunden. Sie wurden in die Netzentgelte verschoben. Die EEG-Umlage ist tot, es lebe die EEG-Umlage. Nur anders verpackt. Die 6,8 Cent pro kWh, die früher als separate Position auf der Rechnung standen, sind jetzt Teil der Netzentgelte und der Stromsteuer.
Stromsteuer: 2,05 Cent pro kWh. Bundessteuer auf Strom. Einfach so. 98 Euro im Jahr.
Mehrwertsteuer: 19% auf alles. Bei 6.144 Euro Gesamtjahresabrechnung sind das 980 Euro Mehrwertsteuer allein.
Grundpreis: 180 Euro pro Jahr. Das ist der Preis, überhaupt an das Stromnetz angeschlossen zu sein. Unabhängig vom Verbrauch.
Zusammenfassung: Von jedem Euro, das ich für Strom bezahle, geht ca. 23 Cent an die eigentliche Energieerzeugung. Die restlichen 77 Cent sind Steuern, Umlagen, Netzentgelte und Abgaben. Ich bezahle also viermal so viel für den Transport und die Steuer wie für den Strom selbst.
Der Vergleich mit anderen Ländern
Frankreich: durchschnittlich 21 Cent pro kWh. Polen: 19 Cent. Tschechien: 22 Cent. Deutschland: 42 Cent. Das Doppelte wie unsere Nachbarn. Für denselben Strom. Aus denselben Leitungen. Teilweise aus denselben Kraftwerken.
Ich war letztes Jahr in Österreich beim Skifahren. Mein Kollege in Salzburg zahlt 28 Cent pro kWh. Gleiche Alpen, gleicher Schnee, gleicher Strom. Nur 14 Cent weniger pro kWh. Bei meinem Verbrauch wären das 672 Euro weniger im Jahr.
Was die Strompreisbremse wirklich gebracht hat
Die Strompreisbremse galt 2023 und 2024. Sie deckelte den Preis bei 40 Cent pro kWh für 80% des Verbrauchs. Klingt gut. Bei mir: 4.800 kWh x 80% = 3.840 kWh zum gedeckelten Preis. Die restlichen 960 kWh zum vollen Preis.
Die Entlastung betrug bei mir 384 Euro im Jahr. Das klingt nach was. Aber der Preis war vorher um 1.200 Euro gestiegen. Die Bremse hat also ein Drittel abgefangen. Zwei Drittel habe ich trotzdem mehr bezahlt.
Und 2025? Strompreisbremse abgelaufen. Der Preis stieg weiter. Von 40 Cent auf 42,5 Cent durchschnittlich. Die 384 Euro Entlastung waren weg, und die Grundbelastung blieb.
Die Rechnung mit dem Stromkostenrechner
Ich habe unseren Verbrauch in den Stromkostenrechner eingegeben. 4.800 kWh pro Jahr bei 42,5 Cent pro kWh = 2.040 Euro Arbeitspreis. Plus Grundpreis 180 Euro. Plus Steuern und Abgaben, die im Endpreis enthalten sind.
Der Rechner spuckte aus: 6.120 Euro jährlich. Meine echte Abrechnung sagte 6.144 Euro. Die 24 Euro Unterschied sind Rundungsfehler.
Dann habe ich simuliert, was passiert, wenn ich den Anbieter wechsle. Der günstigste Anbieter in meiner Region: 38,9 Cent pro kWh. Ersparnis: 172 Euro im Jahr. Aber mit Preisgarantie nur 12 Monate. Danach? Überraschung.
Was wirklich hilft: Verbrauch senken
Ich habe begonnen, den Verbrauch zu optimieren. Nicht aus Überzeugung. Aus Not.
LED-Lampen überall: 120 Euro Investition, 180 Euro Ersparnis im Jahr. Plus: Sie halten 15 Jahre.
Standby-Geräte ausstecken: Der Fernseher, die Spielkonsole, der WLAN-Router nachts aus. Spart 8-12 Watt Dauerleistung. Klingt wenig, sind aber 70-105 kWh im Jahr. Bei 42 Cent: 29 bis 44 Euro.
Waschmaschine nur voll beladen und bei 30 Grad: Spart ca. 15% der Waschkosten. Bei uns ca. 50 Euro im Jahr.
Kühlschrank-Temperatur prüfen: 7 Grad statt 5 Grad reicht völlig. Spart ca. 10% des Kühlschrank-Verbrauchs.
Insgesamt: ca. 320 Euro Ersparnis im Jahr durch Verhaltensänderungen. Keine Komfortverluste, nur Gewohnheitsänderungen.
Aber 320 Euro Ersparnis bei 6.144 Euro Gesamtkosten sind 5%. Der Löwenanteil bleibt. Und er wird weiter steigen.
Profi-Tipps
Nutze den Stromkostenrechner, um deinen Jahresverbrauch zu berechnen. Wenn du deine letzte Abrechnung hast, gib die kWh-Zahl ein und schau, was du wirklich zahlst. Viele Menschen kennen nur ihren monatlichen Abschlag, nicht den tatsächlichen Jahrespreis.
Wechsle den Stromanbieter. Ja, es ist nervig. Ja, die Preise sind überall hoch. Aber der Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten Anbieter in deiner Region kann 3-5 Cent pro kWh betragen. Bei 4.000 kWh sind das 120 bis 200 Euro im Jahr. Geld, das du behalten kannst.
Prüfe ob eine Photovoltaikanlage auf deinem Dach möglich ist. In Bayern lohnt sich das trotz gesunkener Einspeisevergütung. Eine 8-kWp-Anlage kostet ca. 12.000 bis 15.000 Euro und produziert ca. 8.000 kWh im Jahr. Davon verbrauchst du selbst ca. 30%, den Rest speist du ein. Die Amortisationszeit liegt bei 10 bis 14 Jahren. Danach produzierst du kostenlos Strom.
Lass dich nicht von Lockangeboten ködern. Viele Anbieter locken mit extrem niedrigen Preisen im ersten Jahr und erhöhen dann massiv. Lies das Kleingedruckte. Preisgarantie für mindestens 12 Monate ist Pflicht.
Sprich mit deinen Nachbarn. Frag was sie zahlen. Der Vergleich öffnet die Augen. Mein Nachbar zahlt 5.200 Euro für das gleiche Haus, den gleichen Verbrauch. Er ist bei einem anderen Anbieter. 944 Euro Unterschied. Nur weil er einen anderen Vertrag hat.
Häufige Fehler
Der größte Fehler: Den Abschlag mit den Kosten verwechseln. Mein Abschlag lag bei 420 Euro pro Monat. Meine Jahresabrechnung zeigte 512 Euro pro Monat. Die Nachzahlung war 1.104 Euro. Wer den Abschlag als "das was Strom kostet" betrachtet, wird jedes Jahr überrascht.
Der zweite Fehler: Nicht wechseln, weil "alle gleich teuer sind". Stimmt nicht. Der Unterschied zwischen Anbietern in der gleichen Postleitzahl kann 15% betragen. Bei 6.000 Euro sind das 900 Euro.
Der dritte Fehler: Die Grundpreis vergessen. Viele schauen nur auf den Arbeitspreis pro kWh. Aber der Grundpreis kann 100 bis 250 Euro im Jahr betragen. Ein Anbieter mit 2 Cent weniger pro kWh aber 100 Euro mehr Grundpreis ist am Ende teurer.
Der vierte Fehler: Denken, die Energiewende sei kostenlos. Jeder neue Windpark, jedes neue Stromnetz, jeder neue Speicher muss bezahlt werden. Von uns. Über die Netzentgelte und Steuern. Die Energiewende ist richtig und nötig. Aber die Kosten werden auf die Privathaushalte abgewälzt. Wer das nicht weiß, versteht seine Rechnung nicht.
Der fünfte Fehler: Nachts den Strom speichern, weil er billiger ist. Mit einer dynamischen Tarifstruktur (Spotpreis) kann das klug sein. Aber die meisten Haushalte haben einen festen Tarif. Da ist Nachtsstrom genauso teuer wie Tagsstrom. Nur mit einer Wärmepumpe oder einem Nachtstromspeicher lohnt sich die Unterscheidung.