Rente mit 67: Die 400-Euro-Lücke, die jeden Monat wartet

Ein deutscher Arbeitnehmer rechnet vor, warum die gesetzliche Rente nicht zum Leben reicht und was er jetzt tut, um die Lücke zu schließen.

6 Min. Lesezeit
1400 Wörter
1.4.2026
Mein Vater hat 42 Jahre gearbeitet. 42 Jahre lang jeden Monat Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Handwerker, immer Vollzeit, nie arbeitslos. Seine Rente: 1.340 Euro netto. Er wohnt in einer kleinen Wohnung in Duisburg, 65 Quadratmeter, Kaltmiete 550 Euro, Nebenkosten 250 Euro. Bleiben 540 Euro für Essen, Versicherungen, Auto, Arzt, Medikamente, Telefon, Internet. Fünfhundertvierzig Euro. Er fährt einen 15 Jahre alten Golf und geht einmal im Monat essen. Das ist sein Leben nach 42 Jahren Arbeit. Ich bin 35, Software-Entwickler in Köln, und ich habe beschlossen, dass mein Leben mit 67 anders aussehen soll. Also habe ich gerechnet. Und was ich gefunden habe, hat mir den Schlaf geraubt. Die offizielle Renteninformation besagt: bei meinem aktuellen Gehalt von 4.500 Euro brutto und 32 weiteren Beitragsjahren werde ich voraussichtlich 1.680 Euro Rente netto bekommen. Das klingt erstmal besser als das, was mein Vater bekommt. Aber dann habe ich die Inflation eingerechnet. Und die Krankenversicherung im Rentenalter. Und die Steuern. Und plötzlich war da eine Lücke von 400 Euro jeden Monat.

Anwendung

Die Rentenlücke berechnen (ohne Beschönigung) Mein Bruttogehalt: 4.500 Euro. Netto: 2.980 Euro (Steuerklasse 1, keine Kinder). Meine Lebenshaltungskosten: 2.400 Euro pro Monat (Miete, Auto, Essen, Versicherungen, alles). Das ist mein Lebensstandard, den ich im Alter nicht massiv senken möchte. Voraussichtliche Rente mit 67 (Stand 2024, 32 weitere Beitragsjahre): Bruttorente: 2.020 Euro Minus Krankenversicherung (ca. 8,3%): 168 Euro Minus Pflegeversicherung: 38 Euro Minus Steuern (bei Single): ca. 130 Euro Nettorente: ca. 1.684 Euro Meine voraussichtlichen Ausgaben mit 67 (in heutigen Preisen): Miete (oder Nebenkosten bei abbezahlter Immobilie): 700-900 Euro Lebensmittel: 400 Euro Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, KFZ): 120 Euro Gesundheit (Zuzahlungen, Zahnarzt): 100 Euro Auto (Versicherung, Benzin, Wartung): 250 Euro Telefon, Internet, Streaming: 80 Euro Sonstiges (Kleidung, Geschenke, Reparaturen): 200 Euro Gesamt: 1.850-2.050 Euro. Die Lücke: 170-370 Euro pro Monat. Und das in heutigen Preisen. In 32 Jahren, bei 2% Inflation pro Jahr, sind 2.000 Euro heute 3.740 Euro wert. Meine Rente wird aber nicht um 87% steigen. Die gesetzliche Rente ist an die Lohnentwicklung gekoppelt, aber der Rentenfactor sinkt (derzeit 48%, Ziel war mal 70%). Die Lücke wächst. Ich habe die Zahlen in unseren Gehaltsrechner eingegeben und verschiedene Szenarien durchgerechnet. Das Ergebnis war eindeutig: ohne private Vorsorge werde ich im Alter signifikant weniger zur Verfügung haben als heute. Und "signifikant weniger" heißt: kein Restaurantbesuch, kein Urlaub, keine Auto-Reparatur ohne Stress. Was ich jetzt tue Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Mein Arbeitgeber bietet eine Entgeltumwandlung an. Ich zahle 200 Euro brutto ein, das sind nur ca. 130 Euro netto weniger auf dem Gehaltszettel (Steuerersparnis). Der Arbeitgeber gibt 50% dazu, also 100 Euro. Nach 30 Jahren bei 5% Rendite: ca. 165.000 Euro. Das ergibt eine monatliche Zusatzrente von ca. 450 Euro. Das schließt die Lücke. ETF-Sparplan: Zusätzlich spare ich 150 Euro pro Monat in einem MSCI World ETF. Historische Rendite: ca. 7-8% pro Jahr über 30 Jahre. Hochgerechnet: ca. 180.000 Euro. Nochmal ca. 500 Euro monatlich. Gesamt mit 67: 1.680 Euro gesetzliche Rente + 450 Euro bAV + 500 Euro ETF-Auszahlung = 2.630 Euro. Das reicht für einen angemessenen Lebensstandard. Aber nur, weil ich mit 35 angefangen habe. Jedes Jahr, das ich warte, sinkt das Endkapital spürbar.

Profi-Tipps

Nutze unseren Gehaltsrechner, um deine voraussichtliche Rente zu berechnen. Gib dein Bruttogehalt und dein Alter ein und schau, was bei 67 herauskommt. Der Schock beim ersten Mal ist normal. Aber besser jetzt schockiert als mit 67 überrascht. Fang so früh wie möglich an. Der Zinseszins ist dein bester Freund. 150 Euro pro Monat ab 25 bringt dir mit 67 ca. 280.000 Euro (bei 7% Rendite). Die gleichen 150 Euro ab 35 bringen nur ca. 140.000 Euro. Zehn Jahre warten halbiert das Ergebnis. Zehn Jahre. Nutze die betriebliche Altersvorsorge, besonders wenn dein Arbeitgeber Zuschüsse gibt. Das ist praktisch kostenloses Geld. 200 Euro brutto kosten dich nur ca. 130 Euro netto, weil du Steuern sparst. Und der Arbeitgeberzuschuss ist pure Rendite. Prüfe deine Renteninformation jedes Jahr. Die Deutsche Rentenversicherung schickt dir jährlich einen Bescheid mit deiner voraussichtlichen Rente. Lies ihn. Nicht nur die große Zahl oben (das ist die Bruttorente), sondern die Erklärungen dazu. Die Lücken zwischen Brutto und Netto sind oft schockierend.

Häufige Fehler

Der größte Fehler: die Bruttorente als "meine Rente" zu sehen. Die Bruttorente ist ein fiktiver Wert. Was zählt, ist die Nettorente nach Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Steuern. Die Differenz kann 15-20% betragen. Unser Gehaltsrechner zeigt dir die Nettorente, nicht nur die Brutto. Der zweite Fehler: Inflation ignorieren. 1.680 Euro heute sind nicht 1.680 Euro in 30 Jahren. Bei 2% Inflation verliert das Geld über 30 Jahre 45% seiner Kaufkraft. Deine Rente müsste bei 2.440 Euro liegen, um denselben Lebensstandard zu garantieren wie 1.680 Euro heute. Sie wird bei 1.680 liegen (vielleicht, wenn wir Glück haben). Die Lücke wächst. Der dritte Fehler: sich auf den Staat zu verlassen. Die gesetzliche Rente ist ein Umlageverfahren: die Arbeitenden von heute zahlen für die Rentner von heute. Bei sinkender Geburtenrate und steigender Lebenserwartung wird das System belastet. Der Rentenfactor sinkt, die Beitragsbemessungsgrenze steigt, aber die Rente wächst nicht proportional. Wer nur auf die gesetzliche Rente setzt, wird enttäuscht.

Rechner ausprobieren

Nutzen Sie kostenlos.

Öffnen